Zur prekären Personalsituation in der Berufs- und Wirtschaftspädagogik

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Gemeinsame Stellungnahme der Fachschaftsräte GTW, GWL und HDL

Wir, die gewählten Vertreter und Vertreterinnen der Studierenden in den Studiengängen Lehramt für die Oberstufe – Berufliche Schulen der gewerblichtechnischen Wissenschaften sowie der Wirtschaftswissenschaften – protestieren gegen die unhaltbare Personalsituationen und gegen die Strukturplanungen in der Fakultät Erziehungswissenschaft, insbesondere im Bereich der Berufs- und Wirtschaftspädagogik (IBW) der Universität Hamburg, an dem jährlich ca. 240 neue Studenten ihr Lehramtsstudium beginnen.

Die herausragende Bedeutung der beruflichen Bildung und vor allem des dualen Systems der Berufsausbildung für die Entwicklung beruflicher Handlungskompetenzen von Jugendlichen sowie für die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft wird von politischen Entscheidungsträgern, Wirtschaftsvertretern und Bildungsexperten auf Landes- und Bundesebene bei vielen Gelegenheiten betont. Eine wesentliche Voraussetzung für die Funktionsfähigkeit des dualen Systems der Berufsbildung ist eine qualitativ hochwertige Ausbildung der Berufsschullehrkräfte seitens der Universitäten, wie sie das Institut für Berufs- und Wirtschaftspädagogik durch eine praxisorientierte Forschung und Lehre bislang gewährleistet. Durch aktuelle hochschulpolitische Entwicklungen wird die universitäre Lehrerbildung für berufliche Schulen in Hamburg jedoch massiv in Frage gestellt und damit auch die Zukunft der beruflichen Bildung in Hamburg insgesamt bedroht.

Seit fünf Jahren findet durch die Hinhaltepolitik des Präsidiums der Universität keine planvolle Strukturentwicklung mehr statt. Überfällige und anstehende Wiederbesetzungen von Professuren werden verweigert, Professorenstellen ersatzlos gestrichen und aktuell werden sogar die dafür ersatzweise eingerichteten Stellen für wissenschaftliche Mitarbeiter/innen gestrichen oder in Frage gestellt. Zahlreiche Bemühungen des Instituts zur planvollen Strukturentwicklung laufen immer wieder ins Leere. Ein von der Fakultät in Absprache mit dem Präsidium in Auftrag gegebenes Gutachten externer Expertinnen (Prof. Dr. Gabriele Reinmann, Prof. Dr. Susan Seeber) aus dem Jahr 2015 führte zu einer Vereinbarung mit dem Dekanat und dem Präsidium zur Stellenausstattung des Instituts. Diese Vereinbarung wurde, nachdem alle Ausschreibungen schon vorbereitet waren, ohne Angabe von Gründen kurzfristig vom Präsidium aufgekündigt. Seitdem wurden alle Initiativen zur Wiederausschreibung von Professuren blockiert.

Durch diese Blockadehaltung der Universitätsleitung befindet sich das Institut für Berufs- und Wirtschaftspädagogik in einer äußerst prekären Lage:

  • Alle in den letzten Jahren frei gewordenen Professuren sind ersatzlos weggefallen (mit den Schwerpunkten betriebliche Berufsbildung, berufliche Rehabilitation und internationale Berufsbildung)
  • Die Zahl der Professuren in der Wirtschaftspädagogik wurde von ursprünglich sechs auf heute nur noch eine Stelle reduziert.
  • Die Professur für die Didaktik der Ernährungs- und Haushaltswissenschaften ist seit 2011 vakant.
  • Mit jeder nicht besetzten Professur fallen darüber hinaus auch Qualifizierungsstellen für den wissenschaftlichen Nachwuchs sowie Lehrangebote durch diesen Personenkreis weg.
  • In den kommenden drei Jahren werden von den verbliebenen fünf Professuren drei aus Altersgründen vakant, die erste Stelle nach dem Sommersemester 2017. Ein längst überfälliges Wiederbesetzungsverfahren ist immer noch nicht eingeleitet.
  • In der Lehre wurden nicht besetzte Professorenstellen durch wissenschaftliche Mitarbeiter für Lehre ersetzt. Drei dieser aktuell fünf Stellen sollen zum Ende des Sommersemesters 2017 wegfallen. Es ist vollkommen unklar, wie die Lehre unter diesen Bedingungen aufrechterhalten werden kann. Die Vergabe von Lehraufträgen würde den ohnehin schon sehr hohen Lehrauftragsanteil in der Lehre auf ein unvertretbares Ausmaß anheben. Hinzu kommt, dass alle wissenschaftlichen Mitarbeiter nur Zeitverträge mit sehr kurzen Laufzeiten haben, weder sie noch die Studierenden können langfristig die Lehre planen.
  • Schon unter den jetzigen Bedingungen gibt es im Studium so gut wie keine Wahlangebote in der Lehre. Dies führt dazu, dass aktuell relevante gesellschaftliche Bildungsaufgaben, wie zum Beispiel Inklusion, nicht im Lehrangebot abgebildet werden.
  • Eine Folge des Personalmangels ist, dass die Seminargrößen in den vergangenen Semestern gestiegen sind. Viele Lehrveranstaltungen finden daher in überfüllten Räumen statt.
  • Neben der Lehre ist auch eine ordnungsgemäße Durchführung der akademischen Prüfungen akut in Frage gestellt. Es sind jährlich ca. 150 Masterprüfungen abzunehmen, bei denen zumindest einer der Betreuer/innen den Professorenstatus haben muss. Schon heute haben die Studierenden größte Mühe, Betreuer/innen für ihre Masterarbeiten zu finden; unter den gegebenen Umständen wird eine adäquate Betreuung und eine Abnahme der Prüfungen kaum noch möglich sein.

Wir fordern daher alle Verantwortlichen auf:

  • Setzen Sie sich für eine angemessene Ressourcenausstattung des Instituts für Berufs- und Wirtschaftspädagogik ein! Dazu gehört insbesondere eine (Wieder-) Besetzung aller vakanten und vakant werdenden Professorenstellen sowie eine angemessene Ausstattung mit wissenschaftlichen Mitarbeitern auf Dauerstellen!
  • Sorgen Sie dafür, dass das Studium zum Berufsschullehramt in Hamburg studierfähig bleibt! Dies schließt die Sicherstellung der Prüfungsmöglichkeiten ein!
  • Sichern Sie das „Hamburger Modell“ der Lehrerbildung, das auf einer forschungsfähigen, professoralen Fachdidaktik in allen Fächern und beruflichen Fachrichtungen beruht! Dies würde Hamburg unter anderem das Alleinstellungsmerkmal von zwei Praktika im Laufe des Lehramtsstudiums sichern.
  • Sichern Sie die Zukunftsperspektiven für den wissenschaftlichen Nachwuchs in der Berufs- und Wirtschaftspädagogik, sowie den beruflichen Didaktiken!
  • Sorgen Sie dafür, dass die Lehrerbildung an der Universität Hamburg nicht auf dem Altar der Exzellenzinitiativen geopfert wird.
  • Lassen Sie nicht zu, dass die Lehrerbildung für berufliche Schulen und die berufliche Bildung in Hamburg von der Universität weiter gegen die Wand gefahren werden!

Download der Pressemitteilung:
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Kontakt:
FSR GWL –  Sedanstraße 19 (Raum10) 20146 Hamburg fsrgewerbelehrer@uni-hamburg.de
FSR GTW – Am Schwarzenberg Campus 3 (Raum E 2.084) 21073 Hamburg fsr-gtw@tuhh.de
FSR Handelslehramt – Von-Melle-Park 5 (Raum 0023) 20146 Hamburg fsr.hdl@gmail.com

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